Heilpraktiker-Akademie

Tagung Aussteller Anmeldung
Sonntag, 1. August 2010 
 
 

Tagung für Naturheilkunde im Frühjahr 2010

16. - 17. April in München

Tagungsthema

Lymphsystem und Lymphatismus - Schleimzustände im Kopfbereich

Blumenvielfalt

Die traditionelle Frühjahrstagung des Heilpraktikerverbandes Bayern beschäftigt sich heuer mit „Lymphsystem und Lymphatismus – Schleimzustände im Kopfbereich“.

Das Thema wurde bewusst in einem etwas „älteren“ Sprachduktus formuliert. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Krankheitsbereitschaft lymphatischer Organe konstitutioneller Natur ist.
Nicht selten verbirgt sich dahinter eine lymphatische Diathese, die nicht durch das bloße Kurieren der Symptome gebessert werden kann, sondern eines durchdachten, ganzheitlichen Behandlungskonzeptes bedarf.

Beim Lymphatismus ist eine Hyperplasie oftmals des gesamten lymphatischen Apparates (Lymphknoten, lymphoepitheliales Gewebe, Tonsillen, Milz, Appendix) zu beobachten. Infolge gestörter Gewebsdrainage, Entgiftung und Eiweißstau kommt es zu erhöhter Krankheitsbereitschaft der Haut und der Schleimhäute, letztere bevorzugt im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.

Nicht zuletzt deshalb richtet sich der Fokus der Tagung auf „Schleimzustände im Kopfbereich“.
Die Fortbildungsangebote sind gewohnt praxisnah gestaltet, Workshops und Vorträge bieten eine Vielzahl an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur ganzheitlichen Erfassung und grundlegenden Behandlung des gestörten Lymphsystems.

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Chirotage Lenggries
Fachtagung für Manuelle Medizin

09. - 11. Juli 2010

20 Jahre Chirotage – Tradition und Moderne in der Manualmedizin

Das Markenzeichen dieser Fachtagung, manualtherapeutische Behandlungsstrategien mit naturheilkundlichem Wissen und traditioneller Heilkunde zu verbinden, erfreut sich nunmehr seit 20 Jahren großer Anerkennung.

Die Jubiläumsveranstaltung kombiniert die altbewährten traditionellen Manualverfahren mit den neuesten Erkenntnissen aus der manuellen Medizin und konnte dafür namhafte, praxiserfahrene Referenten gewinnen.

Unter deren individueller Anleitung wird besonderer Wert auf die praxisnahe Vermittlung und das unmittelbare Einüben der vorgestellten Diagnose- und Therapieverfahren in kleinen Arbeitsgruppen gelegt.

Ein ganz besonderes „Schmankerl“ ist auch der Vortrag am Freitagabend.
Was Augendiagnose, als eine der wichtigsten alternativen Hinweisdiagnostiken, zur Erkennung ursächlicher Zusammenhänge von Erkrankungen des Bewegungsapparates zu leisten vermag, wird in allgemeinverständlicher Form dargestellt. Der Referent gibt zudem Tipps, wie dieses effektive Diagnoseverfahren ohne großen Aufwand auch in manuell ausgerichteten Praxen eingesetzt werden kann. 

Zum Erfolg einer kollegialen Fachfortbildung trägt auch das Umfeld nicht unwesentlich bei.

Dazu gehört die imponierende Kulisse der Bayerischen Alpen, die bei der beliebten
(Heil-)Kräuterwanderung besonders genossen werden kann. Die gediegene Atmosphäre des Tagungshotels und das gemütliche abendliche Beisammensein sorgen für die wohlverdiente Entspannung nach gehaltvoller Fortbildung.

Die Fachtagung wird wie jedes Jahr von einer Firmenausstellung begleitet, die ebenfalls viel Raum für informative Gespräche bietet.

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79. Tagung für Naturheilkunde in München

12. - 14. November 2010

Programm in Arbeit


Nachlese

78. Tagung für Naturheilkunde vom 13. - 15. November 2009 in München
Thema: Gestörte Umwelt - Kranker Mensch
Naturheilkunde als Chance

Eröffnungsveranstaltung

Vorwort:

Seit April 2009 sind wir Heilpraktiker mit Sitz und Stimme im Landesgesundheitsrat vertreten, einem Gremium, das die Staatsregierung und das Parlament in allen Bereichen des Gesundheitswesens berät.
Dies hat eine Gesetzesänderung ermöglicht, die von den Abgeordneten aller im Bayerischen Landtag vertretenen Fraktionen einstimmig beschlossen wurde.

Bezüglich unseres Berufsstandes dürfte das in der deutschen Parlamentsgeschichte ein bisher einmaliger Vorgang gewesen sein. Das „Erstrecht“ darauf erfüllt uns mit Genugtuung und Stolz.

Auf eine andauernde Einmaligkeit möchten wir gerne verzichten und wünschen uns, dass das Beispiel über die Grenzen Bayerns hinaus Schule macht.

Vor allem aber möchte ich mich auch von dieser Stelle aus bei den Abgeordneten aller Fraktionen ganz herzlich bedanken für das Vertrauen, das uns mit der Einbeziehung unseres Berufs in dieses Gremium entgegengebracht wird.


oben von links:
Dr. Karl Vetter, Theresa Schopper, Alois Glück
unten von links:
Kathrin Sonnenholzner, KlausPeter Rupp, Ursula Hilpert-Mühlig,
Dr. Otto Bertermann, Ingo Kuhlmann

Gäste aus der Politik:

Alois Glück, Präsident des Bayerischen Landtags a. D., Schirmherr der Tagung

Als Vertreter der Staatsregierung
Dr. Wolfgang Heubisch, Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kultur

Für die Landtagsfraktionen:
Christa Stewens, Staatsministerin a. D., CSU, Mitglied im Ausschuss Umwelt und Gesundheit
Kathrin Sonnenholzner, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD,
Mitglied im Ausschuss Umwelt und Gesundheit
Dr. Karl Vetter, FW, Mitglied im Ausschuss Umwelt und Gesundheit
Theresa Schopper, gesundheitspolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied im Ausschuss Umwelt und Gesundheit
Dr. Otto Bertermann, stellv. Fraktionsvorsitzender der FDP, gesundheitspolitischer Sprecher, Mitglied im Ausschuss Umwelt und Gesundheit, FDP-Stadtrat

Als Vertreter des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München
Klaus Peter Rupp, SPD-Stadtrat, Co-Referent im Referat für Gesundheit und Umwelt, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion


Berufs- und gesundheitspolitisches Referat der Vorsitzenden
des Heilpraktikerverband Bayern e.V., Ursula Hilpert-Mühlig

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Ereignisse rund um die Neue Grippe, vulgo „Schweinegrippe“, berührt auch das Thema unserer Tagung in besonderem Maße; es verlangt von uns als Angehörige eines Gesundheitsberufs vermehrte Aufmerksamkeit und kritische Reflexion – auch in Verpflichtung unseren Patienten gegenüber....

Die ganze Rede -> hier zum Download Download


Auf der Suche nach einer zukunftsfähigen Kultur
Gesundheitspolitischer Meinungsaustausch auf der 78. Tagung für Naturheilkunde in München, die unter dem Motto stand: Gestörte Umwelt – kranker Mensch, Naturheilkunde als Chance

Im Terminkalender der führenden bayerischen Gesundheitspolitiker aller größeren Parteien nehmen die alljährlich im November stattfindenden „Tagungen für Naturheilkunde“ des Heilpraktikerverbandes Bayern einen festen Platz ein. Der besondere Reiz der Eröffnungen dieser Tagung besteht seit einigen Jahren darin, dass die Vorsitzende Ursula Hilpert-Mühlig in ihrem Eröffnungsreferat die zu einem guten Teil der Schulmedizin verbundenen Politiker mit der weitgehend „alternativen“ Sicht der Heilpraktiker konfrontiert und diese dann vor einem Auditorium mehrerer hundert aufmerksamer Zuhörer ihre eigenen Standpunkte vortragen. Herrschte in früheren Tagungen in der Regel weitgehend parteiübergreifender Konsens, so wurden diesmal bemerkenswerte Unterschiede der zumeist ärztlichen, aber auch der anderen Repräsentanten der Parteien deutlich. Doch bevor die Argumente ausgetauscht werden konnten, ergriff der Schirmherr der Tagung, Landtagspräsident a. D. Alois Glück, das Wort und spannte einen nachdenklichen, philosophisch geprägten Bogen. Zur Schirmherrschaft bekannte sich Glück, „um einfach die Wertschätzung (für die Leistungen der Heilpraktiker) zum Ausdruck zu bringen, Wertschätzung auch auf Grund von Erfahrung“.


Alois Glück

Seine nachdenklichen Auffassungen stützte Glück auf eine Fülle von persönlichen Erfahrungen: im Bereich – auch geistig – behinderter Menschen, im Bereich der Palliativmedizin und im Erfahrungsaustausch mit Menschen, die ihm neue Einsichten vermitteln können. Ihn fasziniere – so meinte Glück – eine Auffassung des Bonner Wissenschaftlers Meinhard Miegel, der die ambitionierte Aufgabe vorgegeben hatte, „eine zukunftsfähige Kultur zu entwickeln“. Dazu bedürfe es einer „eigenständigen und verantwortungsbewussten Lebensführung“, in der Glück „dieses Ganzheitliche“ erblickt, das in den nachfolgenden Referaten wiederholt aufgegriffen wurde. Darin liege eine „Grundphilosophie“, in deren Mittelpunkt das „Verstehen und Einordnen des Lebens“ stehe. Er registrierte, dass „auf dem Krankenhaussektor der Bereich der Psychiatrie“ die stärksten Zuwachsraten aufweist. Die Menschen würden die positiven Aspekte des Daseins genießen, aber – so Glück – „die Kehrseite unserer Art zu leben“ verdrängen und tabuisieren. Und daraus kommt Glück zu dem Schluss, dass „aufs Ganze gesehen unsere heutige Art zu leben und zu wirtschaften, nicht zukunftsfähig“ ist. Wir müssten „gesellschaftlich aus einem unsinnigen Dualismus herauskommen in all den Fragen, wo das abgewertet wird, was mit den heute bekannten Maßstäben der Naturwissenschaft nicht zu messen ist“.


Dr. Wolfgang Heubisch

In diese reale Welt ohne Zukunft führte als Vertreter der Staatsregierung der Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch (FDP), zurück. Der promovierte Zahnmediziner hob hervor, dass die medizinischen Fakultäten und Universitätskliniken der bayerischen Hochschulen „die Bedeutung der Komplementärmedizin für die medizinische Versorgung erkannt“ hätten, ihren Studierenden auch schon mal „eine Einführung in die klassische Homöopathie“ böten und jetzt auch an der Technischen Universität München eine Stiftungsprofessur für Naturheilkunde und Komplementärmedizin eingerichtet werde. Er sehe – so Heubisch – darin eine „Win-win-Situation“, in der sowohl Patienten als auch Naturheilkunde profitieren würden. Das Auditorium nahm diese neue Wertschätzung komplementärer und alternativer Heilverfahren, die auch in den nachfolgenden Referaten immer wieder betont wurde, mit Wohlwollen zur Kenntnis, harrte aber – weitgehend vergeblich – auf eine Antwort auf die sie vor allem interessierende Frage, wie sie selbst als Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker in dieses neue System der Arbeitsteilung und Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlich-schulischer und komplementärer Patientenversorgung ihren Platz finden können.


Ursula Hilpert-Mühlig und Christa Stewens

Das wurde auch in dem Grußwort der früheren bayerischen Sozialministerin Christa Stewens deutlich, die namens der CSU-Fraktion ihren Standpunkt vertrat. Sie konstatierte „zu starke Abschottungstendenzen gerade bei der konventionellen Medizin“ und griff ein Stichwort ihres Vorredners Heubisch auf, der gemeint hatte, man müsse „Gräben überwinden, und seien es auch nur vermeintliche“. Beide Seiten müssten voneinander lernen, und – so fragte Stewens: „Haben wir nicht die Fehler gemacht, dass wir den Menschen zu stark zerlegt haben in seine Einzelteile, ohne die ganzheitliche Persönlichkeit, den Menschen als Teil der Natur wirklich auch zu sehen“. Und – so die Politikerin weiter – „das wird der Würde des Menschen im Endeffekt nicht gerecht“.

Im Detail sieht Christa Stewens den Platz der Naturheilkunde vor allem in der Prävention als eigenständiger Säule, die bislang „ein Stück weit Trauerspiel in der Gesundheitspolitik der Bundesrepublik“ sei: „Ich halte es für unabdingbar notwendig, dass die Naturheilkunde im Bereich der Prävention einen völlig anderen und neuen Stellenwert in Deutschland und in Bayern erhält.“ Dieses Stichwort der Prävention griff dann unter anderem deutlich Theresa Schopper, die Gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, auf und meinte: „Ich finde, dass Naturheilkunde mehr als Prävention ist und dass man sie nicht auf die präventiven Ansätze verkürzen darf.“ Sie glaube – so Schopper weiter – „da würde man Ihrem Berufsstand auch ein Stück weit Unrecht tun, weil Sie suchen nach den Ursachen, Sie suchen in dieser ganzheitlichen Betrachtung einfach noch mal: Wo fehlt’s dem Menschen in seiner Person?“ Und unter dem Beifall des Auditoriums betonte sie: „Das ist noch mal das Wichtige. Deswegen fühlen sich die Patientinnen und Patienten bei Ihnen sehr gut aufgehoben, oftmals nach einer langen Irrfahrt, und sie kommen dann zu Ihnen mit der letzten Hoffnung. Und Sie sind diejenigen, die ihnen dann auch weiterhelfen können.“


Kathrin Sonnenholzner

Die Gegensätze zwischen der viel beschworenen, von der Vorsitzenden Ursula Hilpert-Mühlig vorgetragenen naturheilkundlichen Grundauffassung und der Schulmedizin wurden vor allem in dem Vortrag der Ärztin Kathrin Sonnenholzner, der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, deutlich. Sie habe auf den vorangegangenen Tagungen für Naturheilkunde „nie nur die Gemeinsamkeiten betont, sondern auch die Gegensätze, und sie müsse sagen, „dass ich in der Frage der Impfung gegen die neue Grippe dezidiert anderer Meinung bin“. Sie nahm dabei Bezug auf das Eingangsstatement von Hilpert-Mühlig, wonach „die Ereignisse rund um die neue Grippe – vulgo Schweinegrippe – auch das Thema unserer Tagung in besonderem Maße berührt. Es verlangt von uns als Angehörige eines Gesundheitsberufs vermehrte Aufmerksamkeit und kritische Reflexion, auch in Verpflichtung unseren Patienten gegenüber.“ Die Heilpraktiker nähmen die Schweinegrippe als Krankheit selbst sehr ernst, aber „genauso ernst nehmen wir die Risiken, welche die von den Gesundheitsbehörden vorgegebene Bekämpfung in sich bergen.“ Und sie listete diese Risiken dezidiert auf (siehe dazu den Wortlaut des Referats). Am Ende blieb dann als Gemeinsamkeit, dass „die Informationspolitik“ in Sachen Schweinegrippe „eine Katastrophe ist“, die aber nicht „die Politik zu verantworten (habe), sondern die, die Information machen“. Sonnenholzner widersprach auch dem Schirmherren Alois Glück, der beklagt hatte, dass „der Staat diesbezüglich unter Druck gesetzt werde und daraus Mechanismen entstehen, die unabhängig von der fachlichen Seite gesellschaftlich in keinem Fall positiv sein können.“ Dagegen meinte Sonnenholzner, sie „glaube nicht, dass die Politik nur unter Druck gesetzt worden ist. Ich glaube, dass es originäre Aufgabe der Politik ist, vor einer drohenden oder existierenden Pandemie, vor der Gefahr auch einer Mutation dieses Virus . . . genau diese Vorsorge treffen muss.“ Die Vertreter der übrigen Parteien, darunter immerhin zwei promovierte und voll im Beruf stehende Ärzte, griffen wohlerwogen in diese Kontroverse nicht ein und erwähnten die Impfproblematik mit keinem Wort.


Dr. Karl Vetter

Einen neuen Patiententyp führte Dr. Karl Vetter, der als gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Wähler sein Debüt auf der Tagung gab, in die Diskussion ein: jenen der „nicht im schulmedizinischen Sinne erkrankt“ sei. Er werde, so meinte Orthopäde in einer großen Praxis in Cham im Bayerischen Wald, von seinen Patienten immer wieder gefragt: „Herr Doktor, was halten Sie denn vom Heilpraktiker?“ Und da meinte er, dass „zunächst eine exakte schulmedizinische Diagnostik wichtig“ sei, und dabei würden sich die „Domänen der Ärzte“ herauskristallisieren: „der akute Herzinfarkt, der frische Meniskusriss oder das Aortenaneurysma zum Beispiel“. Danach stelle sich die Frage: „Was machen wir mit den Patienten, bei denen Befindensstörungen vorliegen? Die psychovegetative Ursachen ihrer Beschwerden haben? Die sich in einer gewissen Dysbalance befinden?“ Da sei die Schulmedizin „nicht unbedingt“ notwendig. Denn „hier stehen oft das Gespräch, die Anleitung zum Gesundwerden, die Aktivierung von Selbstheilungskräften im Vordergrund“. Für solche Patienten hätten die Ärzte oft nicht ausreichend viel Zeit, und „bevor diese Menschen nun allein gelassen werden oder als Hypochonder abgestempelt“ appellierte er an die Heilpraktiker/innen: „Kümmern Sie sich weiter um diese Menschen. Es ist eine lohnende Aufgabe.“


Dr. Otto Bertermann

Dieser Befund ging dem Vertreter der FDP, Dr. Otto Bertermann, entschieden nicht tief genug. Nachdem er in Bezug auf politische Standortbestimmungen der „lieben Frau Sonnenholzner“ betont hatte: „Ich möchte hier nicht zur Gesundheitspolitik, ich möchte auch nicht zur Parteipolitik Stellung nehmen. Dafür ist mir das Thema viel zu wichtig.“ ging er zum fachlichen Kern der Diskussion über. Und spätestens da war die Diskussion beim Motto dieser Tagung „Gestörte Umwelt – kranker Mensch. Naturheilkunde als Chance“ angelangt. Allergien und Umwelterkrankungen gehörten – so Bertermann – „zu den häufigsten zivilisatorischen Krankheiten“. Allein in Deutschland seien davon nach zuverlässigen Schätzungen 25 Millionen Menschen betroffen. Er erlebe es in seiner eigenen Praxis immer wieder, dass Patienten unter „diffusen Symptomen, nicht einfach nur Befindlichkeitsstörungen oder nicht nur Instabilitäten, sondern ganz konkret Schmerzen, Schwindel, Verzweiflung, Depressionen“ litten. Und weiter: „Das sind konkrete Symptome, die es zu behandeln gilt, für die die Schulmedizin sehr, sehr schnell bei der Hand ist mit Medikamenten, die kriegen eine Strahlentherapie, die kriegen eine Cortison-Behandlung, und wenn das alles nichts nützt, sind sie mit Sedativa oder mit Tranquillizern ganz schnell bei der Hand.“

Ebenso deutlich ging Bertermann mit seiner eigenen Wissenschaft ins Gericht. Umweltkrankheiten seien „noch weitgehend unbekannt“, mit der Folge, dass viele Patienten, und besonders viele Frauen „falsch behandelt und oft auch psychiatrisiert“ werden. In Umweltambulanzen werden Patienten „gelegentlich als Medizintouristen abgestempelt“ oder „ohne ärztlichen Check der somatischen Schiene zugeteilt“. Längst seien „die diagnostischen Fehler offensichtlich“ im Hinblick darauf, dass 30 bis 50 Prozent aller Patienten der Hausarztpraxen psychische Störungen haben können. Aber – so schränkte Bertermann dann wieder ein – „die Frage ist, wie viel Prozent von diesen psychischen Störungen können wir mit Umweltgiften korrelieren?“ Daran anschließend nahm Bertermann „Grenzwertideologien“ aufs Korn, jene Doktrin, dass Toxine unter einem Grenzwert unschädlich und damit tolerabel seien. Wie auch von Ursula Hilpert-Mühlig angesprochen, „gaukeln Grenzwerte Sicherheit vor, die wir einfach nicht haben“. Die Ausführungen von Bertermann empfanden die Zuhörer als so profund, dass die Vorsitzende den Referenten spontan für Fachreferate in ihrem Verband verpflichtete.


Theresa Schopper

Das im Krankheitsgeschehen offenbar immer umfangreicher werdende „Paar Umwelt und Krankheit“ wollte Theresa Schopper durch eine „soziale Komponente“ ergänzt sehen. Sie meinte damit, dass jene Menschen, die ohnehin nicht auf der Sonnenseite leben können, also „Menschen mit einem kleineren Geldbeutel“, den krankmachenden Umwelteinflüssen „noch einmal massiver ausgesetzt“ sind. Das wiederum veranlasste Ursula Hilpert-Mühlig zu der Bemerkung: „Den Bereich mit den sozial Schwachen sehen wir auch. Das ist eine Gruppe, die häufig keinen Zugang zu Naturheilverfahren hat – nicht weil sie so teuer sind, sondern weil da viele Barrieren davor stehen.“ Und weiter: „Wenn da Möglichkeiten geschaffen werden, damit gerechter umzugehen, dann haben Sie uns als Mitstreiter auf Ihrer Seite.“

Unter dem Eindruck des bevorstehenden Volksbegehrens nahm auch der Nichtraucherschutz, auch als ein Aspekt der Umweltbelastungen, eine nicht unwichtige Stelle in der Diskussion ein, zumal da der Heilpraktikerverband Bayern dem Initiativbündnis für das Volksbegehren angehört. Kathrin Sonnenholzner würdigte dabei ausdrücklich die Bemühungen, die der Heilpraktikerverband schon bisher gegen die Gesetzesänderung aufgebracht hatte. Aber nachdem das alles nichts genutzt habe, „muss es jetzt bitteschön das Volk richten“. Auch Theresa Schopper assistierte: „Ich hoffe, dass wir wirklich diese 940.000 Unterschriften zusammenbringen, so dass wir da wieder einen Nichtraucherschutz à la bonne heur in Bayern bekommen“.


Ursula Hilpert-Mühlig und Klaus Peter Rupp

Als Vertreter der Landeshauptstadt München steht Klaus Peter Rupp (SPD) protokollarisch traditioneller Weise am Ende der Referentenliste. Das verlangt ihm viel Geduld ab, verschafft ihm aber den Vorteil, dass er die vorangegangene Diskussion gleichsam im Zeitraffertempo Revue passieren lassen kann. Naturgemäß zog er Parallelen zu den Ausführungen von Theresa Schopper, wenn er meinte: „Eine Großstadt und ein Ballungsraum wie München steht beim Thema Umweltschutz und Umweltmedizin besonderen Herauforderungen gegenüber.“ Als Beispiele nannte er Lärmbelästigungen und Luftverschmutzung mit „enormen Feinstaubbelastungen an Teilen des Mittleren Ringes, wo EU-Grenzwerte ja schon sehr früh im Jahr überschritten werden.“ Aber bei alledem sieht Rupp eine gute Chance, dass auch hier die Naturheilkunde „einen weiteren Schritt aus dem Schatten der klassischen Schulmedizin“ tun könne.

Christian Ullmann


 


Wir danken allen Besuchern unserer Tagung.


Vorstand
Ursula Hilpert-Mühlig
Ingo Kuhlmann


Fachfortbildungsleitung
Wolfgang Hegge
Yvonne Rosenfeldt-Watanabe


Beständigkeit im Wandel

 

 

 

 

 

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